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Julien Vogel
Geschäftsführer
Wenn ich erzähle, dass ich mich entschieden habe, Unternehmensnachfolge zu meinem Beruf zu machen, kommt fast immer dieselbe Rückfrage: Warum nicht einfach nochmal selbst gründen? Ich habe das schließlich schon einmal gemacht – während meines Studiums, als kaufmännischer Geschäftsführer meines ersten eigenen Unternehmens. Die ehrliche Antwort ist: Weil mich an Nachfolge etwas begeistert, das ich beim Gründen so nicht finde. Hier sammle ich, was das für mich ausmacht.
Unternehmertum war für mich nie abstrakt
Ich bin im ländlichen Raum bei Heidelberg aufgewachsen, im elterlichen Weihnachtsbaumhandel. Unternehmertum war für mich also nie eine Theorie aus dem Studium, sondern etwas, das ich von klein auf am Küchentisch miterlebt habe: Saisongeschäft, Kundenkontakt, die Sorge um Wetter und Ernte, das Gefühl von Verantwortung für etwas, das über Generationen gewachsen ist. Diese Prägung erklärt vermutlich, warum mich an einer Nachfolge weniger die reine Zahl auf dem Papier interessiert als das, was dahinter steht: ein Lebenswerk, das jemand über Jahre mit eigenen Händen aufgebaut hat.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, bei null anzufangen – und wie es sich anfühlt, auf Bewährtem aufzubauen
Mein eigenes erstes Unternehmen habe ich von Grund auf gegründet – mit allem, was dazugehört: der Unsicherheit, ob das Geschäftsmodell trägt, dem Ringen um die ersten Kunden, den vielen Entscheidungen ohne Blaupause. Genau diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie viel Energie allein in die Frage fließt, ob überhaupt ein Markt da ist. Bei einer Nachfolge stellt sich diese Frage nicht mehr. Es gibt bereits ein Produkt, das funktioniert, echte Kunden, eingespielte Prozesse und ein eingespieltes Team. Das ist für mich kein Nachteil gegenüber einer Neugründung – es ist der eigentliche Reiz: Man übernimmt ein bewährtes Fundament und kann die eigene Energie von Tag eins an in Wachstum und Weiterentwicklung stecken statt in Grundsatzfragen.
Verantwortung für Menschen, nicht nur für eine Bilanz
Nach meinem ersten eigenen Unternehmen habe ich drei mittelständische B2B-Unternehmen und ihre Eigentümer bei Wachstums- und Nachfolgefragen begleitet. Dabei wurde mir immer klarer: Ein Unternehmen zu übernehmen heißt, Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die dort oft schon länger arbeiten, als man selbst am Markt ist – für ihre Jobs, ihren Alltag, ein Stück ihrer Identität. Diese Verantwortung ernst zu nehmen, ist für mich keine Pflichtübung, sondern einer der Hauptgründe, warum ich diesen Weg gewählt habe.
Operativ statt aus der Distanz
Mir war früh klar, dass ich nicht nur Kapitalgeber aus der Distanz sein möchte. Ich wollte selbst operativ ins Unternehmen – als Geschäftsführer, der täglich mit Team, Kunden und Zahlen arbeitet, nicht als Investor, der quartalsweise Reportings liest. Diese Nähe zum operativen Geschäft ist für mich kein Kompromiss gegenüber einer reinen Investorenrolle, sondern genau der Teil, der mich am meisten reizt: nah dran sein, mitentscheiden, mitgestalten – und die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen direkt miterleben.
Ein Lebenswerk weiterführen, nicht nur weiterverkaufen
Die Unternehmer, die ich bei Wachstums- und Nachfolgefragen begleitet habe, haben ihre Unternehmen oft über Jahrzehnte aufgebaut – aus dem Nichts, unter persönlichem Risiko. Für sie ist die Übergabe selten nur eine finanzielle Transaktion, sondern eine emotionale Zäsur: die Frage, ob das, was sie geschaffen haben, in guten Händen weiterlebt. Genau in diesem Moment Vertrauensperson sein zu können – jemand, der das Erreichte respektiert und mit Sorgfalt weiterträgt, statt es kurzfristig zu optimieren und weiterzureichen – ist für mich einer der bedeutungsvollsten Aspekte meiner Arbeit.
Ein Modell, das für alle Seiten funktioniert
Was mich am Nachfolge-Modell überzeugt, ist auch seine Fairness gegenüber allen Beteiligten: Der abgebende Unternehmer bekommt eine verlässliche, persönliche Lösung für sein Lebenswerk. Die Mitarbeitenden bekommen Kontinuität statt eines anonymen neuen Eigentümers. Und ich als Nachfolgeunternehmer bekomme die Chance, wieder langfristig unternehmerische Verantwortung zu übernehmen – diesmal für ein etabliertes Unternehmen, gemeinsam mit den Mitarbeitenden und unterstützt von einem Netzwerk erfahrener Unternehmer, die genau diesen Weg selbst schon gegangen sind.
Das ist es, was mich an Nachfolge begeistert – nicht die Theorie dahinter, sondern die Praxis: bewährte Substanz übernehmen, Verantwortung für Menschen tragen, operativ mitgestalten und ein Lebenswerk mit Respekt weiterführen.



